Allgemein, Laufveranstaltungen

Hermannslauf 2019

Die Vorgeschichte:

Vom 21. bis 24 Februar war ich mit zahlreichen Mitgliedern des veganen Vereins „Laufen gegen Leiden“ zu einem Laufcamp an der Mosel verabredet. Hier wurden nicht nur viele Kilometer und Höhenmeter gesammelt, sondern sich auch über bevorstehende Laufveranstaltungen ausgetauscht. Besonders ein Lauf hat mir von der Beschreibung sehr gut gefallen: Der Hermannslauf.

Am 28.04.2019 war es dann soweit. Mein erster Hermannslauf. Von Detmold nach Bielefeld. 31km, 515 Höhenmeter und über 700 Meter im Gefälle standen mir bevor. Mir, einem der sonst nur auf dem Osternburger Utkiek läuft, dessen höchster Punkt ist gerade Mal 23 Meter.

Einen Tag vor dem Hermannslauf bin ich nach Minden gereist. Zu meinen Gastgebern, Jana und Dennis. Er ist Schuld an meiner Teilnahme beim Hermannslauf, der schon zum 48. Mal statt findet. Abends gab es – wettkampfgerecht – Pasta in einer geselligen Runde. Um kurz vor 22 Uhr rief dann aber das Bett, in meinem Fall das Sofa.

Ich habe sehr gut geschlafen und fühlte mich fit. Nach einem schnellen Frühstück ging es dann los nach Bielefeld. Hier haben wir unsere Startnummern abgeholt. Dank meiner Leistung beim Marathon in Amsterdam konnte ich aus Startblock C nach B vorrücken. Ein kleiner Stempel auf der Startnummer der bedeutete, dass ich mit Jana und Dennis starten konnte. Im Nachhinein ein bedeutender Schritt. Dennis und ich haben auf die Minute dieselbe Marathon-Zielzeit.

Bevor wir uns in den Startblock in Detmold stellen konnten, mussten wir dort erst einmal hin gelangen. Also rein in den Bus und zum Start shuttlen. Die Aufregung stieg mit jedem Kilometer, den wir dem Hermannsdenkmal näher kamen. Oben angekommen war das erste Gedanke: „Brrrr. Kalt.“ Man konnte sogar seinen Atem sehen. Die Sonne hatte sich noch nicht gezeigt. Erster wichtiger Punkt für die Meisten, aber wohl vor allem für Neulinge wie mich: Zum Hermannsdenkmal gehen und ein Foto machen.

Imke und Björn habe ich zum Glück auch noch getroffen. Die beiden sind auch nicht ganz unschuldig an der Tatsache, dass ich gleich mit über 6000 Läufer*innen in Richtung Bielefeld laufe. Zitat vom Laufcamp: „Der Florian Neuschwandner läuft auch mit. Du musst dabei sein.“

Den mehrfachen Sieger vom Wings for Life World Run haben wir dann zwar nur gehört und nicht gesehen, aber dafür kam die Sonne zum Start raus. Das konnte ein richtig guter Tag werden.

Fünf Minuten nach dem ersten Startschuss ging es dann auch für uns los. Dennis‘ und mein Ziel: in unter 2:30:00 ankommen. Ankommen war auch mein Gedanke nach den ersten Kilometern im Gefälle. Mir wurde geraten hier nicht schon alles zu verpulvern. Ich schaute mehrfach nervös auf die Uhr und versuchte Dennis zu bremsen. Wir beide fanden aber schnell einen gutes Lauftempo für uns beide.

Die Anstiege waren für Dennis kein Problem, ich aber habe das Tempo lieber gedrosselt. Bergauf laufen ist einfach noch zu anstrengend für mich. Auf der Ebene konnte ich dann wieder aufholen und manches Mal voraus laufen. Wir liefen zu gut 95% immer neben- oder direkt hintereinander. Zumindest immer mit Sichtkontakt. Das hat mir sehr geholfen am Ball zu bleiben.

Das erste Mal so richtig geflasht von den Zuschauern war ich an der Panzerbrücke. So viele Leute waren hier und haben angefeuert. Hinter Metropolen wie Hamburg und Berlin muss sich der Hermannslauf, was den Streckensupport angeht, nicht verstecken . Die ganze Region scheint diesen Lauf zu leben. Die Energie der Zuschauer strahlte auf mich ab und ich ging richtig auf.

Auf dem Tönsberg habe ich mit einem kurzen Blick zur Seite die Aussicht auf das Tal genossen. Kurz darauf überfiel uns Hagel. War da nicht vorhin noch Sonne? Jetzt war ich sehr froh, dass ich mir vor diesem Lauf noch eine Mütze gekauft hatte. Der Hagel gab uns beiden auch eher Energie, als uns aufzuhalten. Ich konnte mir den Spaß nicht verkneifen und rief: „Das sind Energiekugeln, die müsst ihr mit dem Mund auffangen“.

Kurz vor Oerlinghausen gab es einen kleinen Schockmoment. Vor uns fiel jemand, ein Alptraum für mich. Zum Glück ging es ihm gut, er ist schnell wieder aufgestanden und Zuschauer kamen ihm zu Hilfe. Ich selbst habe versucht die Situation schnell wieder zu vergessen. Auf dem Kopfsteinpflaster in Oerlinghausen bin ich dennoch mit einer Extra Portion Vorsicht gelaufen, weil ich Angst hatte auszurutschen.

In Oerlinghausen war eine Erfassung der Zwischenzeit und an der Strecke richtig was los. Die vielen Zuschauer gaben mir Energie für meinen weiteren Lauf.

An die Kilometer zwischen Oerlinhausen und den letzten drei kann ich mich dann nur noch schemenhaft erinnern. Treppen hier, steile Aufstiege dort. Dennis versprach mir zu früh, dass ‚dies hier‘ jetzt der letzte gemeine Anstieg sei. Aber auch den Anstieg danach haben wir zusammen gemeistert.

Die letzten drei Kilometer. Die Promenade zur Sparrenburg. Die Beine fanden es reiche schon, man könnte jetzt doch auch aufhören. Ich kann mich daran erinnern, die letzten Kilometer jeweils laut auszurufen, als wir sie passiert hatten. Die Stimmung war mindestens so klasse, wie schon auf der Panzerbrücke. Alles rief, pfief und klatschte.

Auf dem letzten Kilometer hörte ich mich zu Dennis sagen: „Lauf weiter, ich mache keinen Schlusssprint.“ Als wir dann aber gute 200 Meter vor dem Ziel waren, Dennis 20 Meter vor mir war da dieser kurze Moment. Ein Gedanke: Wir wollen das Ding zusammen laufen. Meine Beine flogen vor mir her und ich holte ihn zum gemeinsamen Zieleinlauf ein. Was für ein genialer Moment. Ich schrie alles raus und war überglücklich. Auf der Uhr über dem Ziel stand 2:30:07 – das war die Brutto Zeit. Wir hatten es geschafft.

Fotos: Neue Westfälische

Nach dem Lauf nahm ich mit schweren Beinen, aber überglücklich die schöne Medaille für die Teilnahme am Hermannslauf entgegen.

Vielen Dank Jana und Dennis, für die Obhut und das gute Essen. Vielen Dank an alle Zuschauer beim 48. Hermannslauf. Ihr habt alles gegeben. Vielen Dank an all die Freiwilligen, es war ein rundum tolles Event.

Und nochmal einen riesen Dank an Dennis. Ich denke ohne dich wäre dies nicht so ein spaßiger und erfolgreicher Lauf geworden. Ich freue mich schon auf den nächsten Wettkampf mit dir.

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